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Off-Road Reisen & Automobil Veranstaltungen

01. November 2020

GPS Formate

Lost in Orientation

Ab und zu bekommen wir ungefähr folgende Zuschriften zu unseren Trackbooks:

„Wir waren mit Eurem Trackbook XY die letzten Wochen unterwegs und sind begeistert. Schöne Touren und gut beschrieben. Leider stimmen die GPS Koordinaten nicht und liegen manchmal mehrere hundert Meter neben der Position, bitte check diese nochmals. Dank der Karten konnten wir jedoch die Einstiege immer gut finden und freuen uns schon, das nächste Trackbook auszuprobieren.“

Ehrlich gesagt: bei der Fülle an Daten kann sich dann schon einmal ein (oder auch zwei) Fehler einschleichen, aber das so viele Koordinaten nicht stimmen sollen macht dann selbst uns stutzig. Bei Nachfragen stellt sich dann in 99,73% der Fälle heraus, dass die genutzten GPS Geräte auf ein ANDERES Format eingestellt waren, als das in dem die Koordinaten des genutzten Trackbooks angegeben sind. Die erstaunte Erkenntnis ist dann oft: „Ach, es gibt verschiedene Koordinatenformate?“ Da dies ja tatsächlich nicht selbstverständlich ist, hier eine kleine Einführung in den Hintergrund der Koordinatensysteme.

Alle Systeme überspannen die Erde mit einem gedachten Gitternetz und in diesem Gitter wird die Position in einer Nord-Süd und einer Ost-West Ausrichtung definiert. Da die Erde eine Kugel ist, wurde schon vor mehreren hundert Jahren damit begonnen diese Abweichungen einer Position vom Äquator (in Nord – Süd Richtung) und in Ost -West Richtung von einer gedachten Null Linie (z.B. Greenwich) in Grad anzugeben. D.h.: wenn man gedanklich im Erdmittelpunkt säße wie weit würde müsste eine Winkelachse aus der Nord-Süd Richtung vom Äquator, und wie weit in Ost – West Richtung vom Nullmeridian?

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Die maximale Abweichung zu einem der Pole wären dann 90°, in Ost oder Westrichtung dann jeweils 180°. Da Winkel damals auch in Grad, Minuten und Sekunden gemessen wurden entstand ein System das nicht in einer 10er Logik funktioniert, sondern in maximal 59 Minuten und 59 Sekunden gemessen wird bevor ein neuer Grad erreicht wird. Interessanterweise kommt aus diesem Denken auch die uns Mitteleuropäern so krumme Seemeile mit ihren 1.852m die hierbei genau einer Minute entsprechen her. Das Format das sich aus diesem Vermessungsansatz ergibt heißt Grad / Minuten /Sekunden. Eine Sekunde in Nord-Süd Richtung diesem Format beträgt in Strecke umgerechnet knapp 31m. Dieses jahrhundertealte Format hat sich tapfer bis in die Gegenwart gehalten und wird auf vielen Karten noch genutzt.

Mittlerweile gibt es jedoch noch zwei von diesem Format abgeleitete „Hybridformate“ – also Mischformen zwischen einem Dezimalsystem und Gradsystem. Hier wird zwar die erste Angabe in Grad beibehalten, jedoch entweder schon ab den Minuten oder ab den Sekunden in das Dezimalsystem gewechselt. (Formate sind dann Dezimalgrad oder Dezimalminuten). So liegt unser Büro in Fulda nach bei N 50° 33´ 42´´ und E 9° 39´56´´oder bei N 50.5616° und E 9.6656° oder N 50°33.70´ und E 39° 94.04´. In den Trackbooks nutzen wir, je nachdem welche Karten in den jeweiligen Destinationen am gebräuchlichsten sind entweder das Grad, Minuten, Sekunden (DD,MM,SS) oder das Grad, Dezimalminuten (DD,MM.MM) Format.

Woher kommen dann die Abweichungen? Wie oben schon beschrieben beträgt eine Sekunde ca. 31m. Im Dezimalminutenformat sind es durch das 10er System jedoch nur 18,5m und im Dezimalgradformat sogar an dieser Stelle der Positionsangabe nur 11m. Wenn also eine Positionsangabe zum Beispiel für unser Büro mit 50°33´42´´gemacht wird, jedoch diese Zahlen in ein Gerät mit dem eingestellten Format Dezimalminuten eingegeben wird. Ergibt sich eine Differenz von: 42´´x 31m = 1.302m zu .42 Minuten x 18,5 = 777m. In Fulda bedeutet dies dann, statt Milchkaffee im Büro – nasse Füße in der Fulda;).

Es gibt mittlerweile noch weitere Systeme, die die Welt nach anderen Kriterien aufteilen (z.B. UMTS). Wichtig ist bei der Navigation jedoch immer nur, dass das Navigationsgerät auf das passende Koordinatenformat eingestellt ist. Genaue Navigation ist mit allen Formaten möglich. Falls das vorhandene Gerät das vorhandene Format nicht anbietet, gibt es im WWW einige Koordinatenumrechner, die nicht nur die verschiedenen Formate anzeigen, sondern auch die Position auf einer Karte anzeigen.

Aber, vielleicht ist es, wenn man es nicht macht auch eine tolle Idee um ganz individuelle Abenteuer zu erleben – und da geht es doch drum – oder?